tinjo! Der Blog - tinjo!

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü

Muss Kunst korrekt sein?

Herausgegeben von tinjo in WORTE ZUM TAG · 11/2/2018 14:06:03

Muss Kunst immer korrekt sein?


Kunst kommt nicht von korrekt
Wer eine Frau schön nennt, reduziert sie auf ihr Äusseres, macht sie zum Objekt und gibt sie damit auch schon der Verführung durch die alles verschlingenden Männer preis. So einfach ist das für manche.
Aber, und jetzt kommt der Punkt, mit dem die Ritterinnen vom feinen Argument zum Todesstoss ausholen: «Es erinnert uns unangenehm daran, dass wir uns als Frauen nicht in die Öffentlichkeit begeben können, ohne für unser körperliches ‹Frau›-Sein bewundert zu werden.» Und weiter: «Eine Bewunderung, die häufig unangenehm ist, die zu Angst vor Übergriffen und dem konkreten Erleben solcher führt.» Im Klartext soll das heissen: Vom Lob weiblicher Schönheit ist es nur ein kleiner Schritt zum sexuellen Missbrauch.

Angeprangert wird ein Text nicht, weil er sexistisch ist, sondern weil er «unangenehm» an Sexismus erinnert. Nicht was drinsteht, macht also einen Text zum Kleinod, das man mit Stolz an der Fassade einer Schule anbringt, oder zum Ärgernis, das von dort wieder beseitigt werden muss. Was über Wohl oder Weh entscheidet, ist vielmehr, was ein Text in einem Leser oder einer Leserin auslöst. Oder vielmehr: was er möglicherweise auslöst, was er vielleicht auslösen könnte. Voraussagbar ist das nicht. Denn ein Text ist mehr als das, was er an objektivierbaren Aussagen enthält. Ein Text ist nicht, was auf dem Papier steht, sondern was ich lese.

Wenn eine Handvoll Studentinnen und Studenten es fertigbringt, dass ein harmloses Gedicht von einer Hausfassade verschwinden muss, weil es vielleicht irgendwie unangenehm an Sexismus erinnern könnte, dann ist mehr in Gefahr als die Freiheit der Kunst. Als Bürger einer offenen Gesellschaft muss ich damit leben, dass mir nicht alles in den Kram passt, was um mich herum geschieht. Ich muss mich damit abfinden, dass es nicht überall so kuschelig zugeht wie in meiner Filterblase, wo sich Gespräche in gegenseitigen Bestätigungen erschöpfen. Und wenn ich mich gegen eine Äusserung oder gegen ein Kunstwerk wehre, weil ich der Ansicht bin, dass sie gegen das Gesetz oder einen unumstösslichen Grundwert verstossen, bin ich zumindest rechenschaftspflichtig.

Und die grösste Anmassung der selbsternannten Tugendschützer besteht darin, jedem Einwand von vornherein die Legitimation abzusprechen. Wer den potenziellen Sexismus hinter ein paar harmlosen Gedichtzeilen nicht spürt, ist entweder ein Mann und damit ohnehin nicht satisfaktionsfähig. Oder hat, vielleicht noch schlimmer, keine Empfindung für das, was man mit dem modischen Kampfbegriff als strukturelle Gewalt bezeichnet. Gegen Agitation hat Vernunft einen schweren Stand. «Weg mit allem, was stört», heisst die Devise der politisch korrekten Bilderstürmer. Was einmal gedichtet wurde, lässt sich zwar nicht mehr aus der Welt schaffen. Aber wenigstens aus den Augen.


>>>siehe auch:Ein Mädchenbild von Balthus



Bookmark and Share

Kein Kommentar
 
Bitte klicken Sie unter dem Text auf "Alles lesen". Dann sehen Sie den ganzen Beitrag, können sich am Blog beteiligen und frühere Blogeinträge lesen!
Kategorien
Stichworte
Kindertrauma international Asylsuchende Marcel JVA Stereotype Amt Hexenjagd Zangger Operation Spade Madrid MH17 Michael Beier Schwulenehetze entlassen! Verführung Dummheit Amnesty verschwunden! Frei Lust Sex pornografischem Schlatter Mark todernste Satire! in dubio pro reo Moral NZZ Populismus Sarganserländer Video Mutterbrust Krieg Osterheider Kazis blanche Fichen Material DANKE!Anregungen Flavia internationaler grosses Gemächt Leserbrief «Azov Grüne Partei Deutschland Graf Edathy richterliche Logik Polizist Locarno Pöschwies Präventionstherapie Otto Hansjürg Würde Verhältnismässigkeit Berufsverbot Martin Jegge Oktober Recht oder Gerechtigkeit? Leiter Klischee Lügenberichte Strafverschärfung Rämibühl Ecpat Pädophilen Kindes Bendit Glaube Son Suizid Kadermann des Kinderpornographie Jungsforum Handel Partei Rüdiger Bäumle Barron Marc Henning Florian Vollzugdienst Daniel Test Rechte Trump Day Kinderschänder Petra Fachbereichs Lumengo Kipo Entkriminalisierung Therapie Dominik Sozialarbeiter Süddeutsche für Talia Brühlmann Fahrlässigkeit erlaubt? Coming Cornelia GLP BLOG Anzeiger Kind Mansour DAniel Patzen Migrationsbehörde Gymnasium Walensee Initiative Fotres Knecht und Scheuber Balthus Tages Ukraine Recht Aschersleben Riedo Zeitung First Jaqueline Norlik Filmfestivael Wildgartner Kiliç Schweiz: Kommunikationsfachmann Carl Jahren... Hachtel homosexuelle Paare ab am ist Egli Mangas Richter Zürich tinjosHOMEPAGE Sexualdelikt Urbaniok! Meier Weltwoche Verdacht Thomas pädophile Lehrer Kanton 11. ARCHIV Verdingkinder Nacktheit Stiefkindadoption Kraushaar Films» Hugo Sepp Gölz Polanski Hürlimann Taner nicht gestorben! Ecco Mädchen mit bei marche Freundschaft Die out Bundegericht Masse Umberto TABUZONE Grünen Kirchenskandal Deutschlehrer Kinderschutz Uriella ohne Justiz Erich Familienvater Regula Kinder Fachbuch Fehr Ueli Burgdorf Revisionsprozess Sextäter AM Jürg Cäsar Saladin Sonntagszeitung SONNTAG Stamm Lautmann Stiftung Urbaniok Menschenrechte Präsident Polizei Friedrich Schweizer Neujahr Fall Hartmann Cervik Bongni Kritik minderjährig Bundesgericht der Ostern Schwager Mildenberger Kinderrechte Medien Brigitte schiessen Zwangsbehandlung Kastration Darbellay Frau Beta Meier Leiterin Alge lebenslanges Jaqueline Fehr revolutionär. lernbar 15 Cohn Bewährungs Beat Nulltoleranz:Lehrer Professor Teenagermädchen Persönlichkeitsstörung Journalist
Suchen
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü